Vive la France – Reisetipps für Paris und die Champagne


. (Flotte Musik) (Lässige Musik: “Est-ce que
tu m’aimes?” von Maître Gims) ♪ Même dans un sommeil éternel. ♪ J’étais censé t’aimer,
mais j’ai vu l’averse. ♪ J’ai cligné des yeux,
tu n’étais plus la même. ♪ Est-ce que je t’aime?
J’sais pas si je t’aime. ♪ Est-ce que tu m’aimes?
J’sais pas si je t’aime. ♪ J’étais censé t’aimer,
mais j’ai vu l’averse. ♪ J’ai cligné des yeux,
tu n’étais plus la même. Hallo, bonjour
et bienvenue à Paris! Willkommen in Paris! Für die einen ist Paris
die Stadt der Mode, für die anderen
die Stadt der Liebe, der Mythen. Entscheiden Sie selbst. Ich war schon
das ein oder andere Mal hier. Das ist aber nicht dramatisch:
Paris erfindet sich andauernd neu. Man entdeckt immer Neues –
und beliebte Klassiker. Ich sagte, für viele ist sie
die Stadt der Mythen – Für ihn hier
ist sie die Stadt der Tüten: der Maler Thitz
aus der Nähe von Stuttgart. Ich freu mich, dass ich
mit dir unterwegs sein darf. Seine Kunst besteht darin,
Gemälde, Bilder aus Tüten zu machen, sie dort einzuweben sozusagen. Was macht diese Stadt Paris
für dich aus? Was ist dein Highlight? Natürlich ist die Stadt
voll mit Kunst und Kultur, an jeder Ecke,
jedes Gebäude ist speziell und durchgestylt
auf eine besondere Art. Und die Menschen –
im Unterschied zu anderen Städten – leben damit, leben darin. Die leben am Tour Eiffel
und mit ihrer Kultur und mit dieser ganzen …
Humanismus-Idee. Die leben sie auch vor. Das lässt sich prima
auf Tüten fixieren und in Bilder fassen. Eine Menge dieser Menschen
werden wir kennenlernen. Ich freu mich.
Wir machen uns auf die Pirsch. (Entspannte Musik) Thitz, der Tütenmaler,
hat in Paris schon einige seiner schrill-bunten
Städteporträts gemalt. Er ist ein Flaneur,
streift gerne durch Metropolen, immer auf der Suche
nach ihrem ganz eigenen Charakter. (Entspannte Musik,
französischer Gesang) Thitz’ neuer Lieblingsort
ist der Park am linken Seine-Ufer, die Berges de Seine. Es mag wie ein Klischee klingen, aber hier spürt man sie wirklich,
die Lebenslust der Pariser. Und die versucht Thitz
auf seinen Tütenbildern abzubilden. Thitz, warum Tüten? Tüten gibt es überall, man kann damit
überall auf der Welt arbeiten. Und Paris – wenn man eine Tüte
vom Musée Picasso nimmt, hat man auch Inspiration
in Richtung des Designs. Auch dieser Kultur der Stadt. Man kann auf etwas arbeiten,
mit etwas arbeiten, was der Betrachter
auch als Inspiration sieht, wenn er es im Bild entdeckt. (Entspannte Musik,
französischer Gesang) Im Zentrum von Thitz’ Bildern
ist häufig ein Fluss. Denn am Wasser, sagt er
zeigt sich die Seele eines Ortes. (Entspannte Musik) Doch natürlich stürzt er sich
auch gerne ins Getümmel. Er liebt die Rue Daguerre mit ihren kleinen
Käse-, Obst- und Fischläden, in denen die Bewohner
der umliegenden Straßen einkaufen und wo man sich ein bisschen fühlt
wie in der französischen Provinz. (Entspannte Akkordeonmusik) Auch viele Deutsche
kennen diese Straße – aus dem Französischbuch. Es ist echt unglaublich. Alles da. Nicht gefakt. Meine Damen und Herren,
messieurs-dames, je vous présente: la poissonnerie
dans la rue Daguerre. Ich habe sie gefunden. (Entspannte Akkordeonmusik) Es riecht nach Fisch und Käse,
Meer und Wiese. Die Rue Daguerre
ist ein Mikrokosmos. Hier kennt jeder jeden. Und selbst Fremde
kommen sich vor wie alte Freunde. Denn diese Straße
weckt Erinnerungen. Also, das hier,
das ist sie eindeutig. Ja, das ist die Boulangerie.
– Ja, schon, also, tatsächlich. Das ist sie. Guck mal.
– Ach, das ist sie. Klar, guck mal. Auf der Ecke steht “Rue Daguerre”.
– Das ist sie. Sie ist moderner geworden,
aber ich finde, sie ist es. Ach, cool.
– Thitz, was meinst du? Ja, absolut.
Die Ecke ist genau da. Und es gibt wirklich
genau die Geschäfte, wie es da aufgezählt ist:
Boulangerie, Épicerie … Die Poissonnerie!
– Oui! Ich war noch nie hier
und hab das Gefühl, ich war mein ganzes Leben hier. (Entspannte Musik) (Französischer Gesang) In Paris wollen ja alle hoch hinaus,
alle wollen auf den Eiffelturm – was ich verstehen kann,
rein romantischerweise. Aber ich hätte einen Tipp für Sie: Kommen Sie
auf die Tour Montparnasse, den Montparnasse-Turm. 210 Meter hoch, großartige Aussicht,
und zwar auf … den Eiffelturm. (Entspannte Popmusik,
französischer Gesang) Das Ticket für den Tour Montparnasse
kostet 9,50 Euro. Anstehen muss man nur ganz selten. Und wenn dann
oben auch noch das Wetter wechselt, erlebt man
ein ganz besonderes Schauspiel. (Entspannte Popmusik,
französischer Gesang) Schön, wenn man schönes Wetter hat
in Paris, ne? Ja, so viel Wasser auf einmal …
– Wird ‘n Aquarell. Das wird ‘n Aquarell. (Entspannte Musik) Bei Regenwetter entfaltet die Stadt
einen ganz eigenen Charme. Und in einem der Cafés
am beschaulichen Canal Saint-Martin ist das Großstadttreiben
weit entfernt. Erbaut wurde der Kanal
von Napoleon Bonaparte, um die Stadt
mit sauberem Wasser zu versorgen. Film- und Krimifans kennen ihn als Schauplatz
von Verbrechen und Liebesabenteuern. Hier spürt man sie:
die Leichtigkeit des Seins, die Paris zur Welthauptstadt
der Lebenslust macht. (Ruhige Popmusik,
französischer Gesang) Wie ein riesiges
glitzerndes Segelschiff liegt das neue
Museum für Moderne Kunst im Bois de Boulogne. Eine Sensation –
nicht nur für Thitz. Langsam ergibt es ein Bild, ne? Das gehört nun wirklich drauf
auf ein aktuelles Bild von Paris: das Louis-Vuitton-Museum. Der “Klopper”,
wie alle in der Presse sagen. Wie findest du es,
als Künstler? Ja, spektakulär,
vor allem, wenn man sich überlegt, für die Kunst, was will man mehr,
als Maler, als Künstler, wenn man für die Kunst
die schönste Architektur baut, die man hier vorfindet? Noch dazu diese moderne,
wunderbare Architektur, die auch innen sehenswert ist –
die Sammlung ist spektakulär. Dann werkelst du mal weiter, und ich guck mir das
mal von innen an. Ganz gute Idee.
– Und Sie kommen mit. Auf geht’s. (Sphärische Musik) “Schönstes Monument der Gegenwart”. “Ein Gebäude in Bewegung”. Kritiker und Besucher
übertreffen sich mit Lob für den Bau
von Stararchitekt Frank Gehry. Bernard Arnault,
Chef des Luxusimperiums Vuitton und einer
der reichsten Männer der Welt, hat Paris dieses Kunstwerk geschenkt. (Sphärische Musik) Ein spektakuläres Schaufenster für die hochkarätige Kunstsammlung
des Stifters. Die Stars der modernen Kunstwelt
sind vertreten. Von Urban-Art-Künstlern bis zu Ikonen der Pop-Art
wie Andy Warhol. Elf Galerien auf vier Etagen. Platz für Kunst
und fantastische Blicke. (Experimentelle Musik) Im Souterrain:
ein Spiegelpalais des dänisch-isländischen
Lichtkünstlers Olafur Eliasson. Die Grenzen zwischen außen und innen
verschwinden. Ein Meisterwerk, an dessen Entwurf
200 Ingenieure beteiligt waren. (Experimentelle Musik) Gigantisch liegt die Silhouette
der größten Bürostadt Europas am Horizont. Mit seinen glitzernden Wolkenkratzern erinnert La Défense
ans ferne Manhattan. Hier residieren
Großkonzerne und Banken. Es gibt Messehallen, Hotels,
Hochschulen, Wohnungen und einen Shoppingkomplex
mit 300 Läden und Cafés, die auch an Sonntagen geöffnet sind. Er soll das Tor zur Welt
symbolisieren: der große Bogen. Einweihung war 1989. Zum 200. Geburtstag
der Französischen Revolution. Ein Rundgang auf dem
Marché des Enfants Rouges ist wie eine Weltreise. (englisch:) Hier gibt es
libanesisches Essen. Und hoffentlich ist er offen,
der Stand aus der Karibik. Das Essen ist ziemlich scharf. (Gemütliche Musik) It’s safer when I try – es ist sicherer,
wenn ich probiere. Okay, du moderierst dann
die Sendung weiter. Mmmh! Mmh.
– Very good. Thank you. Da ist gar nix drin.
Ich dachte … Entschuldigung,
ich bin jetzt beschäftigt. S’il vous plaît?
– This is really good. Thank you. So, dann glaubt man zu Hause,
wir waren in der Karibik. Merci beaucoup. Der Marché heißt
“Markt der roten Kinder,” weil hier um 1600
ein Waisenhaus stand und die Kinder
rote Uniformen trugen. It all looks very authentic. Das sieht alles
total authentisch aus. Because they probably also
buy the fish from the fishermen. Der Markt
gehört zu den besten in Paris und ist täglich
bis 20.30 Uhr geöffnet. Außer montags. Nur ein paar Schritte weiter, schon ist man wieder
am Canal Saint-Martin. Das Lieblingsviertel von Marie
entwickelt sich gerade zum Pariser Szenetreff
für Junge und Kreative. Bunte Fassaden, trendige Läden,
kleine Restaurants. Unabhängig und authentisch. Und dann zeigt Marie Michael
einen echten Insidertipp auf der anderen Kanalseite. Also, das hier ist
ein ganz besonderer Ort. Top secret. Den kennen nur Einheimische. Es gibt kein Schild,
keinen Hinweis. Man nennt es “Comptoir Général”. Das ist … speziell.
This is a special place. What’s this? Es ist alles zusammen: Café, Trödelmarkt,
Künstlertreff, Kino … Total verrückt. Gegründet wurde das Comptoir Général
von zwei Freunden, die sich für die Kultur Afrikas
interessieren. Eine Art Handelskontor, so die deutsche Übersetzung
von “comptoir général”. Mit jeder Menge Platz
für Musik, Mode, Spirituelles und Trödel. Mit dem Auto durch Paris fahren
von A nach B, das ist nicht immer einfach
bei der Menge Verkehr. Man kann es wie viele Einheimische
mit dem Rad probieren. Wie in vielen Weltstädten
können auch Touristen profitieren von so einem Leihfahrradsystem. Das sind die Vélib’s. Lea erklärt mir,
wie ich mir eins ausleihe. Lea ist schon länger hier,
ist aber Deutsche. Genau, ich bin
gebürtige Unterfränkin und leb aber
seit sieben Jahren hier. Ist das ein heißes Unterfangen,
hier Fahrrad fahren? Ähm, es ist gar nicht
so kompliziert, wie man zunächst denkt. Du musst unheimlich
konzentriert sein, sonst gibt es einen Unfall, weil hier ist
ein riesengroßes Verkehrsaufkommen. Aber ich zeig’s dir mal. So, “Ticket auf Pass”.
Ich hab keinen Pass. Also, Ticket, Nummer eins. “Bitte wählen Sie
Ihren vierstelligen Geheimcode.” Sag mal, wann du Geburtstag hast.
– Ach so, mit Geburtstag? In welchem Jahr bist du geboren?
– Äh … (beide:) “Bestätigen”.
– Wiederholen. Jetzt hast du 36.
– Nein! Ich hab’s gesehen, du hast 36!
– Bist du dir sicher? Ganz sicher, 36.
(Er lacht.) So, ganz ruhig.
Und jetzt … “Führen Sie Ihre Zahlkarte ein.” “Fehlgeschlagen.” Ich hab noch
gar keine Karte eingeführt. Was haben wir da?
– Aaaah! Es fängt von vorne an!
Nein! Gibt’s hier auch Pferde? (Flotte Popmusik,
französischer Gesang) Hat ja schließlich doch noch geklappt
mit dem Ausleihen des Vélib’s. Immerhin: Die Anleitungen
sind auf Deutsch, und mit ein bisschen Geschick
geht’s auch schneller. Insgesamt gibt es
mehr als 1.200 Ausleihstationen. Und Radfahren ist mittlerweile
sehr populär in Paris. Die erste halbe Stunde ist gratis, die nächste kostet einen,
die übernächste zwei Euro. Wer alle halbe Stunde
das Rad wechselt, kann sogar ganz umsonst fahren. (Dynamische elektronische Musik
mit französischem Gesang) Besonders am Wasser
wird er spürbar. Der Geist dieser Metropole, die mit ihren leisen
und charmanten Plätzen genauso begeistert wie mit ihren
Prachtbauten und Boulevards. Was für ein Finale.
Was für ein Himmel! Fast wie von Thitz gemalt. So wie er dieses Gemälde hier
für uns abgeliefert hat. Du hast jetzt dein Paris to go,
sozusagen zum Mitnehmen. Es war schön mit dir,
herzlichen Dank. Hat mir auch viel Spaß gemacht. Hat mich gefreut, dass du
dabei warst – und Sie auch. Ich hoffe, Sie hatten Spaß. Ich hab gelernt: Paris ist eine Stadt
für Wiederholungstäter. Wie mich.
Ich werd auch wiederkommen. Und nächstes Mal
werd ich auch Fahrrad fahren. Das hat mich am meisten begeistert. (Flotte Musik) (Stimmengewirr) Wenn die Geschöpfe der Unterwelt
durch die Straßen ziehen, herrscht Ausnahmezustand in Reims. Das Spiel mit der Angst
ist ihr Metier. Und das beherrschen sie perfekt. Hallo und herzlich willkommen! Keine Angst,
wir sind nicht in Mittelerde, auch wenn’s bedrohlich aussieht. Wir sind bei den Fêtes Johanniques
in der Champagne, in Reims. Das farbenfrohe Mittelalterfest lockt
Besucher aus ganz Frankreich an. Zwei Tage lang können sie Handwerkern
über die Schulter schauen, ungewohnte Küche probieren und sich von exotischen Klängen
mitreißen lassen. (Flotte Mittelaltermusik) Stadtführerin Margarete Touzel weiß, warum ausgerechnet die Kathedrale
Zentrum des Festtagstreibens ist. Das pompöse Bauwerk
gilt als Meisterwerk der Gotik. Über 2.000 Skulpturen
schmücken allein die Außenfassade. In der Geschichte Frankreichs hatte die Kathedrale
eine wichtige Funktion. Ab dem fünften Jahrhundert wurden
hier fast alle Könige gekrönt. Auch Karl VII. Um dessen Krönung
rankt sich eine besondere Geschichte, die bei den Fêtes Johanniques
nachgespielt wird. Die französische Nationalheldin
Jeanne d’Arc spielt darin
eine entscheidende Rolle. Jeanne d’Arc kommt nach Reims. Und Jeanne d’Arc
führte ja den König von der Loire
durch das besetzte Frankreich. Von den Engländern besetzt. Bis in die Kathedrale, wo Karl VII.
gesalbt und gekrönt wurde. Und das war im Jahr 1429. Ein Besuch in Reims
lohnt sich aber nicht nur Anfang Juni,
wenn gefeiert wird. Margarete Touzel
liebt ihre neue Heimatstadt. Denn dort kann sie
ihrer Leidenschaft nachgehen: dem Art déco. (Ruhige Klaviermusik) Die gebürtige Deutsche kennt
so ziemlich jedes dekorative Detail an den Hausfassaden. (Ruhige Klaviermusik) Aber schönsten aber
findet sie die Bibliothek. Art déco gehört ja
in die 20er-Jahre. Man sagt “Les Années Folles”,
die verrückten Jahre. In dieser Zeit
wird nicht viel gebaut. Aber in Reims. Und zwar deshalb, weil Reims im Ersten Weltkrieg
zu 80 Prozent zerstört war. Und dann holt die Stadt sich
400 Architekten aus ganz Frankreich. um ihre Stadt wiederaufzubauen.
– Ja. Und in dieser kurzen Zeitspanne entwickelt sich
diese neue Architektur. Hauptsächlich …
explodiert, nachdem in … Paris die große internationale
Art-déco-Ausstellung war. Was ist denn eigentlich Art déco?
– Ah, das ist eine gute Frage. Verwechselt man sehr oft
mit Jugendstil. Jugendstil, das ist der Stil
um die Jahrhundertwende. Das sind weiche, fließende,
asymmetrische Linien. Und von dieser …
diesen wollüstigen Linien hat man nach dem Ersten Weltkrieg
einen Überdruss. Man will zurück zur Vernunft, man kommt zu geometrischen,
einfachen, schlichten Linien. Und je weiter sich
der Art-déco-Stil entwickelt, desto nüchterner wird die Linie. Nüchtern und Café du Palais, das allerdings
passt gar nicht zusammen. Den Art-déco-Stil
kann man nur noch erahnen. Das Interieur im Café ist opulent –
und Champagner fließt in Strömen. (Lockere Musik,
französischer Gesang) Unverkennbar,
wer gerne hierherkommt. In deinem Café
sieht man ganz viel: Überall hängen Bilder.
Ist das ein spezielles Konzept? (französisch:) Nun ja, eigentlich
ist das nicht wirklich ein Konzept. Schon immer sind viele Künstler
hierhergekommen. Früher befand sich das einzige
Theater genau gegenüber. Also kamen Musiker,
Maler, Schauspieler. Und das ist bis heute so geblieben. Das Café war schon immer
ein Ort der Begegnung. Einige Künstler
haben uns ihre Werke geschenkt, um zu zeigen,
dass sie hier waren. Diesen engen Kontakt zu Künstlern
gibt es, seitdem meine Familie hier ist. Und genau das macht meinen Beruf
so einzigartig. Hier steht auf jedem Tisch
ein Glas Champagner. Also, bei uns auch. Warum ist das so?
Es ist doch noch relativ früh. Das stimmt. In Reims wird wirklich
viel Champagner getrunken. Für die Leute hier
ist das ganz normal. Unsere Gäste kommen zum Mittagessen und bestellen erst mal
ein Glas Champagner. Danach trinken sie
vielleicht Wasser, aber zum Aperitif
gibt es Champagner. Was anderes wird nicht bestellt.
Das ist eine Angewohnheit hier. Champagner trinkt man in Reims
nicht nur an Festtagen, sondern jeden Tag. Simin ist unterwegs
zur Côte des Bar, einem kleinen Anbaugebiet
im Süden der Champagne. Wie wir finden, das schönste. Die Reise führt durch
kleine verträumte Dörfer. Die Zeit scheint hier
stehen geblieben zu sein. (Verspielte Musik) Einer der ältesten Weinkeller
der Region gehört dem Winzer Michael Drappier. In Gemäuern
aus dem zwölften Jahrhundert lagern seine
besonders wertvollen Flaschen. (französisch:) Die Trauben
werden ganz vorsichtig gepresst, mit wenig Druck. So erhalten wir einen Fruchtsaft,
den Most, der dann fermentiert und sich zu einem weißen,
nicht prickelnden Wein entwickelt. Erst mal normaler Wein.
– Genau. Diesem stillen Wein fügen wir dann
im Frühjahr des Folgejahres Zucker und Hefe zu, damit eine zweite Fermentation
abläuft. Die verwandelt ihn dann
in Champagner. Dann kommt die Kohlensäure rein.
– Voilà. Nach mindestens 15 Monaten Lagerung
ist das Gespür des Rüttlers gefragt. Er dreht die Flaschen so lange,
bis sie auf dem Kopf stehen und die Hefe entfernt werden kann. Schon General De Gaulle
mochte das Endprodukt aus dem Hause Drappier. De Gaulle liebte die Weite
und Abgeschiedenheit der Champagne. Deshalb zog er 1934
mit seiner Familie in das kleine Dorf
Colombey-les-Deux-Églises. Hier schrieb er seine Memoiren, hier verbrachte er
die letzten Jahre seines Lebens. Weithin sichtbar thront
auf einer benachbarten Anhöhe das Lothringer Kreuz. De Gaulle wählte es 1940
als Symbol der Hoffnung. (Vogelzwitschern) Zu Füßen des Kreuzes
entstand eine Gedenkstätte, die dem Leben und Werk des
großen Staatsmannes gewidmet ist. Filme, Fotos und Installationen. Die Ausstellung
ist multimedial gestaltet. (Friedliche Musik) Zentrales Thema: die Bedeutung De Gaulles
als General in der Résistance und bei der Befreiung Frankreichs
im Zweiten Weltkrieg. Paris brisé. Paris martyrisé. Mais Paris … libéré. In Filmausschnitten können Besucher seine bedeutenden Reden
noch einmal erleben. Nicht nur Charles de Gaulle
hat diese Region geprägt und wurde von ihr geprägt, sondern auch der große Impressionist
Renoir hat hier gelebt. Und ich versuch jetzt mal,
in seine Fußstapfen zu treten. Dafür fährt Simin
in das Künstlerdorf Essoyes. Eine entspannte Tour über Land. Das Ursprüngliche, Schlichte ist es,
was den Reiz der Champagne ausmacht. (Verspielte Musik) Auch Renoir war begeistert. Deshalb verbrachte er viel Zeit
in Essoyes, dem Geburtsort seiner Frau. Riesige Plakate
mit Gemälden des Künstlers sind über das ganze Dorf verteilt. Sie hängen oft
genau an der Stelle, wo das Original entstand. Renoir hatte in jungen Jahren erfolgreich
als Porzellanmaler gearbeitet und sich dann
den Impressionisten zugewandt. Sie war seine Muse. Aline Charigot –
und spätere Madame Renoir. Der Maler verewigte sie
in seinen Bildern. Genau wie den Ort Essoyes. Einen solchen Paradeblick
mit ein paar Strichen zu erfassen, ist gar nicht so einfach. Trotz Unterstützung
von Künstler Denis Herbillon. Joa … So, ja? (Verspielte Musik) Was mich ein bisschen stört, ist, die Boulangerie habe ich
nicht gut getroffen. Gucken Sie mal hier. Seine erste Lektion: Sich
auf das Wesentliche konzentrieren. Die Grundlinien festlegen und
erst dann zu den Details übergehen. (Zarte Musik) Was Denis einfach
aus dem Ärmel schüttelt, bringt Simin ziemlich schnell
an ihre Grenzen. (Aufgeregtes Murmeln, zarte Musik) Okay! Okay, okay! (Simin lacht.) (lachend:) Non, c’est bien. (Zauberhafte Musik) Allmählich nimmt das Bild Gestalt an. Man muss nur dranbleiben und
sich Stück für Stück vorantasten. So ermutigt der Meister
seine Schülerin. (Er spricht auf Französisch.) Man kann zumindest erkennen,
es ist eine Brücke mit Häusern. Das ist doch schon mal schön. Vor meinem nächsten Treffen
bin ich ein bisschen aufgeregt. Ich treffe einen frischgebackenen
Schlossbesitzer. Der ist super jung, 23 erst. Ich bin eine der ersten,
die sich das Schloss ansehen darf. Tatsächlich hat das Château de Vaux
seine Pforten im Sommer 2016 zum ersten Mal für Besucher geöffnet. Edouard Guyot,
warum hast du mit 23 ein Schloss, und ich mit 29 noch nicht,
wie macht man so was? (französisch:) Wie wird man
Schlossherr? Das ist eine gute Frage,
vor allem in meinem Alter. Meine Eltern haben diesen Beruf
auch schon ausgeübt. Ich wurde in historischen Mauern
geboren und bin dort aufgewachsen. Ich konnte meinen Eltern
beim Arbeiten zusehen. Ich konnte ihnen schon früh helfen. Dann hat sich
bei meinem Bruder und mir so etwas wie ein Virus breitgemacht. Wir haben beide sehr jung
ein Schloss gekauft. Das ist noch nicht ganz fertig,
dieses Château. Hast du ein Konzept,
um das in nächster Zeit aufzubauen? Dafür zu sorgen, dass Geld reinkommt
und sich das Schloss rentiert. Das genau ist der Knackpunkt. Es geht darum, so viele Besucher
wie möglich anzulocken. Aber wir haben nicht nur
diese Einnahmequelle. Wir haben in Vaux auch
Übernachtungsmöglichkeiten. Es gibt zwei “Gite”. Und wir vermieten
Säle für Hochzeiten. Das alles soll Geld einbringen,
damit wir weiter renovieren können. (Ruhige Musik) Arbeit gibt es reichlich
im Château de Vaux. Und es ist eine gute Idee, dass Besucher den Prozess
der Restaurierung miterleben können. (Ruhige Musik) Wow! Da musst du aber noch
ein bisschen was machen, hier oben. (Verzaubernde Musik) Edouard, da hast du ja
noch richtig was zu tun. Das sieht ja noch sehr unfertig aus. (französisch:) Das dauert
wohl noch 20 Jahre, bis die Arbeiten abgeschlossen sind. Bis alles in einem wirklich
guten Zustand ist, sodass man das Schloss
auch bewohnen kann. Bis dahin ist noch ein langer Weg. Darum muss man solche Projekte
auch jung beginnen, ich rechne mit 20 Jahren. 20 Jahre, das heißt,
du weißt schon, dass du, wenn du 43 bist,
immer noch hier bist. Ich weiß noch nicht,
was ich in 20 Jahren mache. Keine Ahnung,
wie ich in 20 Jahren sein werde. Aber hier sollte sich
dann einiges verändert haben. Klar, ich werde älter sein,
wahrscheinlich verändere ich mich. Aber ich hoffe, dass das Schloss
dann in einem guten Zustand ist. Dass es eine Sehenswürdigkeit ist,
wo man Dinge lernen kann. Wie heute,
nur in einer anderen Dimension. (Lässige Jazzmusik) Einen Eindruck davon,
was die Besucher in Zukunft erwartet, bekommt man in den Kellergewölben. Hier hat Edouard Guyot mit
den Restaurierungsarbeiten begonnen. Er hat die alte Küche bereits in ihren ursprünglichen Zustand
gebracht. Das ist natürlich
nach meinem Geschmack. Champagner ertrinken, und dann
auch noch vor einem schönen Schloss. Aber die Champagne
ist nicht nur Champagner. Sondern auch wundervolle Landschaft,
malerische Orte. Und sehr nette Schlossherren. Vielen Dank,
dass du mich herumgeführt hast. Ich fühle mich schon fast
wie eine Schlossherrin. Ich hoffe, Ihnen hat es gefallen,
und Sie kommen mal in die Champagne. Und schalten das nächste Mal
wieder ein, bis dahin, tschüss. (Ruhige Chansonmusik) SWR 2020

2 thoughts on “Vive la France – Reisetipps für Paris und die Champagne

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